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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Zeig oder verberg AntwortWarum können Affen nicht sprechen?
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Im Vergleich zu Menschen, haben Affen nicht die anatomischen Voraussetzungen um verbale Sprache zu produzieren. Sprachorgane, wie z.B. Kehlkopfmuskeln oder Stimmbänder, können nicht so frei und koordiniert bewegt werden wie beim Menschen, insbesondere nicht mit derselben Geschwindigkeit. Das ist bereits der Hauptgrund weshalb wir nicht mit Affen sprechen können. Allerdings verstehen und imitieren Affen sehr viel (wie man z.B. in diesem Video sieht: link)!

Das Kommunikationsverhalten der Affen ähnelt den Eigenschaften menschlicher Sprache sehr. Wie viele andere Tiere, haben Affen Mittel zur Kommunikation entwickelt, die verbaler Sprache sehr ähnlich sind. Viele Wissenschaftler würden die Zeichensysteme von Tieren aber trotzdem nicht 'Sprache' nennen, weil sie in vieler Hinsicht eingeschränkt sind. Beispielsweise sind die Zeichen dieser Systeme in ihrer Anzahl beschränkt und können nicht zu neuen Bedeutungen miteinander kombiniert werden. Außerdem können Affen nur über Dinge kommunizieren, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung befinden, (z.B. Essen oder Gefahren), während wir über Vergangenheit und Zukunft, als auch Orte und Objekte sprechen können, die nicht gerade zu sehen sind.

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Darüber hinaus können Affen nicht sprechen, weil ihnen die kognitive Fähigkeit fehlt, die für komplexe Kommunikationsprozesse notwendig ist. Menschen können z.B. eine eingeschränkte Anzahl an Worten kombinieren, um unendlich viele Äußerungen zu bilden. Wir können kleine Informationseinheiten aneinanderreihen, in eine bedeutungsvolle Struktur bringen und damit eine Geschichte erzählen. Das Gehirn von Affen stellt nicht die kognitiven Ressourcen bereit, um diese Vielfalt an Information zu verarbeiten. Affen können hunderte von Wörtern lernen, sind aber nicht in der Lage, diese auf kreative Weise zu benutzen, um komplexe Bedeutungen und Vorhaben darzustellen. Nach jüngsten Erkenntnissen lagen Gehirnstrukturen, die zur Sprachproduktion notwendig sind, allerdings nicht nur in den Vorfahren des heutigen Menschen, sondern auch in den Vorfahren der Schimpansen vor. So scheint es, dass für die Kommunikation von Schimpansen der Bereich im Gehirn, der für Planung und Produktion von gesprochener Sprache und Zeichensprache notwendig ist (Broca-Areal), eine ähnliche Funktion hat.

 Katrin Bangel & Franziska Hartung
Aus dem Englischen übersetzt von Manu Schütze & Katrin Bangel

Mehr Infos?

Videos zum Thema Tiere und Sprache (link)

Chimps May Have A 'Language-Ready' Brain (link)

Did Neandertals have language? (link)

Pinker, S. (1994). The language instinct: how the mind creates language. New York: William Morrow & Co.

Taglialatela J.P., Russell J.L., Schaeffer J.A., Hopkins W.D. (2008). Communicative signaling activates 'Broca's' homolog in chimpanzees. Current Biology, 18, 343-348. (link)

Zeig oder verberg AntwortInwiefern wird Sprache von anderen Tieren benutzt?
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Wir lernen unsere Sprache, benutzen sie um auf Dinge aus einer anderen Zeit oder von einem anderen Ort zu verweisen, kombinieren bekannte Worte um völlig neue Nachrichten zu kreieren und benutzen all das ganz bewusst (d.h. intendiert), um andere Menschen zu informieren. Jedes dieser Merkmale kann auch in den Kommunikationssystemen so manch anderer Spezies gefunden werden:

Lernen

Delfine z.B. entwickeln individuelle Pfiffe, die andere erkennen lässt, wer gepfiffen hat. Zwergseidenäffchen brabbeln wie kleine Kinder und passen dabei ihr Lautrepertoire langsam immer mehr dem der Erwachsenen an. Diese Beispiele zeigen, dass auch Tiere beim Heranreifen ihre Kommunikation ein ganz kleines bisschen formen und verändern.

Bees waggle dance

Image: Chittka L: Dances as Windows into Insect Perception. PLoS Biol 2/7/2004: e216.

Verweisen

Bienen übermitteln dem Rest des Bienenvolkes den Ort von weit entfernter Nahrung durch einen Tanz, den sie im Bienenstock aufführen. Grüne Meerkatzen senden unterschiedliche Alarmrufe aus, je nachdem um welches Raubtier es sich handelt, vor dem sie die anderen warnen. Das Verhalten von Bienen und grünen Meerkatzen zeigt, dass bei Tieren eingeschränkte Kommunikation, die sich auf bestimmte Dinge bezieht, möglich ist; zumindest wenn sich diese Dinge an anderen Orten befinden.

Kombinieren

Dafür, dass Tiere Sprache kombinatorisch verwenden, (also die Fähigkeit besitzen, bekannte Elemente zu neuen Nachrichten zu kombinieren), gibt es nur wenig Anhaltspunkte. Allerdings gibt es ein paar wenige Fälle, in denen das der Fall zu sein scheint. Campbell-Meerkatzen kombinieren z.B. Teile einzelner Rufe und kreieren damit neue Bedeutungen, die sich von den ursprünglichen Lauten unterscheiden.

Intendieren

Ob Kommunikation in anderen Arten bewusst verwendet wird, wurde hauptsächlich in der Art untersucht, die uns Menschen am meisten gleicht: Den Schimpansen. Schimpansen verwenden Warnrufe öfter, um unwissenden Gruppenmitgliedern Bescheid zu geben. Artgenossen, die ihrer Meinung nach schon Bescheid wissen, erhalten weniger Warnrufe. Außerdem verändern sie während aggressiver Gefechte ihre Schreie, sobald es jemand anderen gibt, der ihren Feind besiegen könnte.

Trotz jahrzehntelanger Forschung bleibt die Frage, welche Sprachmerkmale einzigartig unter uns Menschen sind, noch immer unbeantwortet. Durch die Vielfalt an effizienten Kommunikationssystemen im Tierreich wäre es aber vielleicht auch interessanter und aufschlussreicher nach Anworten auf die Frage zu suchen: Wie können Kommunikationssysteme von Tieren, die so unterschiedlich von unserem eigenen sind, überhaupt funktionieren?

 Katherine Cronin & Judith Holler
Aus dem Englischen übersetzt von Manu Schuetze & Katrin Bangel

Mehr Infos?

Videos zum Thema Tiere und Sprache (link)

Fedurek, P., & Slocombe, K. E. (2011). Primate Vocal Communication: A Useful Tool for Understanding Human Speech and Language Evolution? Human Biology, 83, 153-173. (link)

Janik, V. M. (2013). Cognitive skills in bottlenose dolphin communication. Trends in Cognitive Sciences, 17, 157-159. (link)

About MPI

This is the MPI

The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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Dieses Projekt wurde von Katrien Segaert, Katerina Kucera und Judith Holler ins Leben gerufen.

Im Moment wird dieses Projekt koordiniert von:
Katerina Kucera
Sean Roberts
Agnieszka Konopka
Gwilym Lockwood
Connie de Vos

Ehemalige Mitglieder:
Joost Rommers
Mark Dingemanse