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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Ab welchem Alter sollten Kinder einfache Sätze sagen können?

Kinder unterscheiden sich in ihren Lernstrategien und im Verlauf ihrer Entwicklung. Darum kann man das Alter, in dem gewisse Entwicklungsstufen erreicht werden (z.B. “mit einem Jahr sprechen Kinder die ersten Worte”), immer nur als allgemeinen Durchschnitt ansehen. Somit ist es völlig normal, wenn Kinder manche Stufen ein paar Monate eher oder später erreichen. Mit diesem Wissen können wir den allgemeinen Entwicklungsverlauf auf dem Weg zu den ersten einfachen Sätzen nachvollziehen.

Question and answer Q&A baby

Die ersten einfachen Sätze sprechen Kinder etwa im Alter von zweieinhalb bis drei Jahren. Das mag sich spät anhören, wenn man bedenkt, dass Kinder bereits mit 12 Monaten die ersten Worte sprechen. Doch bevor sie diese Worte zu Sätzen zusammensetzen können, müssen Kinder ein gewisses Grundwissen über die Grammatik ihrer Sprache erwerben. Oftmals denken wir an Substantive und Verben als die Grundbausteine für Sätze („Katze“ + „wollen“ + „Milch“ = „Die Katze will etwas Milch“). Doch bereits recht einfache Sätze erfordern es, andere Wörter („die“, „etwas“) und flektierte Formen („wollen“ → „will“) einzusetzen. Solche Funktionswörter und Flexionen zu lernen ist nicht einfach, denn im Gegensatz zu Inhaltswörtern wie „Katze“ und „Milch“ können Kinder die Bedeutungen von „die“ und „will“ nicht erfahren oder erleben. Was das Unterfangen noch verkompliziert ist der Umstand, dass die Wörter in die richtige Reihenfolge gebracht werden müssen und laut mit einer Satzmelodie und Betonung ausgesprochen werden müssen, die der angedachten Bedeutung entspricht (man vergleiche „Die KATZE will etwas Milch.“ mit „Die Katze will etwas MILCH.“). All das ist sehr schwierig für junge Kinder, selbst bei recht einfachen Sätzen.

Doch auch wenn Kinder unter zweieinhalb Jahren noch keine ganzen Sätze sagen, lernen sie schon Wörter auf andere Arten zu kombinieren. Beispielsweise beginnen viele Kinder bereits nach ihrem ersten Geburtstag Wörter mit Gesten, wie z.B. auf etwas zeigen und nicken zu verbinden. Die Kombination aus einem Wort und einer Geste, wie z.B. „Milch“ und nicken, sagt mehr als nur das Wort oder nur die Geste allein. Und einige Studien zeigen, dass diese frühen Kombinationen eine Verbindung zur weiteren Entwicklung von Zwei-Wort-Äußerungen ein paar Monate später aufweisen.

Ab etwa 18 Monaten beginnen Kinder Zwei-Wort-Äußerungen wie „Bär. Koffer.“ zu sagen, um satzähnliche Bedeutungen auszudrücken (wie z.B. „Der Bär ist im Koffer.“). Anfangs klingen diese zwei Wörter wie zwei einzelne Äußerungen ohne Verbindung. Aber mit viel Übung werden die Pausen zwischen den Wörtern kürzer und die Melodien der einzelnen Wörter beginnen sich zu verbinden.

Mit zwei Jahren, wenn Kinder vollends in der „Zweiwortphase“ angekommen sind, produzieren sie oft Abfolgen von zwei bis drei Wörtern, die wie normale Sätze klingen, nur dass die meisten Funktionswörter und Flexionen fehlen („Da Katze!“). In dieser Phase ihrer Entwicklung setzen manche Kinder solche Wörter sogar konstant in eine bestimmte Reihenfolge. Beispielsweise setzen manche Kinder sogenannte Schlüsselwörter (engl. pivot words) immer an erste Stelle („mehr Apfel“, „hier Apfel“), andere Kinder immer an zweite Stelle („Apfel mehr“, „Apfel hier“). Mit kürzer werdenden Pausen, konsistenter Reihenfolge der Wörter und einer wortübergreifenden Melodie haben die Äußerungen der Kinder mehr und mehr Eigenschaften von einer einzigen Planungseinheit: einem Satz.

Doch auch wenn Kinder mit zweieinhalb bis drei Jahren die ersten einfachen Sätze sagen, haben sie noch viel zu lernen. Ihr Wissen über die Kombinationsmöglichkeiten von Wörtern ist noch nicht vergleichbar mit dem von Erwachsenen. Stattdessen beschränken sie sich meist noch auf das, was sie am häufigsten hören. Die richtigen Flexionen zu verwenden kann noch lange schwierig bleiben, und es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder auch weiterhin Fehler machen, während sie noch lernen müssen, welche Flexionen regelmäßig (putzen, putze, putzt, putzte) und welche unregelmäßig sind (sein, bin, ist, war). In den nächsten zwei Jahren nach den ersten einfachen Sätzen machen Kinder große Fortschritte im Umfang ihres Wortschatzes und den Flexionen, die sie benutzen. Mit zunehmendem Alter werden ihre Sätze komplizierter, und mit vier bis fünf Jahren haben sie das meiste erlernt, was sie brauchen um flüssig mit anderen zu kommunizieren.

Wenn Sie mehr über Sprachentwicklung erfahren möchten, schauen Sie sich doch einmal die Webseite des Nimwegner Baby Research Centres an.

 

By: Marisa Casillas & Elma Hilbrink
Aus dem Englischen übersetzt von: Matthias Barthel & Sebastian Saupe

 

Literatur:

Clark, E. V. (2009). “Part II: Constructions and meanings”. In First language acquisition (pp. 149–278). Cambridge University Press.

Iverson, J. M., & Goldin-Meadow, S. (2005). Gesture paves the way for language development. Psychological science16(5), 367-371.

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