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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Benutzen Menschen, die mehrsprachig aufwachsen mehr Hirnregionen zur Verarbeitugn von Sprache? Und werden speziell fuer Sprachen mit unterschiedlicher Struktur vom Gehirn mehr Ressourcen genutzt?

Menschen, die mit mehr als einer Sprache aufwachsen, werden zweisprachig oder bilingual genannt. Das Erlernen der verschiedenen Sprachen kann jedoch sehr unterschiedlich sein und geschieht nicht immer simultan. Unabhängig davon, ob beide Sprachen gleichzeitig oder nacheinander gelernt werden, ist es möglich dass man beide Sprachen gleich gut beherrscht. Für das Gehirn spielt es eine wesentlich größere Rolle, wie fließend man eine Sprache spricht als wie oder zu welchem Zeitpunkt die Sprache erlernt wurde. Vor kurzem konnte gezeigt werden, dass die gleichen Hirnregionen verwendet werden, wenn eine Person verschiedene Sprachen gleich gut spricht. Auch die Art der Aktivierungsmuster im Gehirn ist gleich wenn unterschiedliche Sprachen benutzt werden, vorausgesetzt beide Sprachen werden gleich gut beherrscht.

bilingual sign

 

Häufig jedoch sind Bilinguale unterschiedlich gut in beiden Sprachen. In neuro-kognitiven Experimenten wird getestet, wie sich die Hirnaktivität verändert, wenn eine bilinguale Person unterschiedliche Sprachen benutzt. Wenn die Sprachfertigkeit in beiden Sprachen verschieden ist, ist hierbei zu sehen, dass zwar typischerweise beide Sprachen die gleichen Regionen aktivieren. Das allgemeine Aktivierungslevel in der später erlernten Sprache ist in diesem Fall jedoch höher. Die Sprache, in der man weniger gut ist, kann außerdem noch weitere Areale in Anspruch nehmen, welche eigentlich nicht direkt an Sprachverarbeitung gekoppelt sind, sondern mit kognitiver Steuerung und Aufmerksamkeit zu tun haben. Das bedeutet: Je schwieriger ein Prozess ist, desto mehr Hirnresourcen werden zur Verarbeitung benötigt.

Oft wird uns die Frage gestellt, ob Sprachen mit unterschiedlicher Struktur auch unterschiedlich verarbeitet werden, wenn diese von derselben (bilingualen) Person gesprochen werden. Sprachen unterscheiden sich nämlich sehr stark darin, auszudrücken, wer was mit wem gemacht hat: Im Niederländischen und Englischen zum Beispiel, wird viel über die Wortstellung ausgedrückt. Andere Sprachen, wie Japanisch oder Koreanisch gebrauchen kurze Wörter ohne Bedeutung um diese Beziehungen auszudruecken (s. g. Kasuspartikel). Wenn beide Sprachen einer bilingualen Person zu unterschiedlichen Sprachfamilien gehören (wie z. B. Englisch und Japanisch), ist es durchaus denkbar, dass beide Sprachen unterschiedlich verarbeitet werden auch wenn der Sprecher beide Sprachen gleich gut beherrscht. Im Moment gibt es noch sehr wenige Studien zu diesem Thema. Eine Studie jedoch möchten wir hier gern vorstellen: In einem Experiment wurden Muttersprachler des Chinesichen sowie Muttersprachler der Koreanischen getestet, die sowohl Japanisch als auch Englisch als Zweitsprache sprechen. Es zeigte sich, dass Hirnaktivität während des Hörens von Zweitsprachen davon abhängt wie ähnlich die Grammatik der Zweitsprache der Grammatik der Muttersprache ist. Die Verarbeitung von Englisch als Zweitsprache zeigte bei den Koreanisch Sprechern eine höhere Aktivität im Sprachsystem im Vergleich zu den Chinesisch Sprechern. Das wird darauf zurückgeführt, dass Englisch und Koreanisch sich als Sprachen stärker unterscheiden als Englisch und Chinesisch. Andererseits sind bei der Verwendung von Japanisch als Zweitsprachen bei den Chinesisch Sprechern einige Hirnregionen aktiver, als bei den Koreanisch Sprechern. Wiederum wird angenommen, dass die Grammatik des Chinesischen sich stärker als Koreanisch vom Japanischen unterscheidet.

Die Hirnaktivität bei der Verarbeitung sprachlicher Information ist also nicht nur von der Sprachfertigkeit und dem Alter des Erlernens, sondern auch von den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Grammatik beider Sprachen abhängig. Scheinbar dauert eine Automatisierung des Sprachgebrauches im Gehirn manchmal länger, als aufgrund von Verhalten abzuschätzen ist; d.h. Menschen sprechen viel schneller eine Sprache fließend, als dass dies auch tatsächlich neuronal verankert ist. Das gilt besonders dann, wenn die Zweitsprache strukturell stark von der Muttersprache abweicht. Noch bleibt dies eine offene Frage, die es zu erforschen gilt. Das einzige, was wir sicher sagen können ist, dass egal welche Sprache gesprochen wird, die gleichen Gehirnregionen beansprucht werden.

Annika Hulten & Diana Dimitrova
Aus dem Englischen übersetzt von Franziska Hartung und Katrin Bangel

Weiterlesen?

Abutalebi, J. (2008). Neural aspects of second language representation and language control. Acta Psychologica,128, 466-478.

Kotz, S. A. (2009). A critical review of ERP and fMRI evidence on L2 syntactic processing. Brain Language, 109, 68-74.

Jeong, H., Sugiura, M., Sassa, Y., Yokoyama, S., Horie, K., Sato, S., & Kawashima, R. (2007). Cross-linguistic influence on brain activation during second language processing: An fMRI study. Bilingualism Language and Cognition10(2), 175.

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The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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