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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

In welchem Alter sollte ein Kind eine zweite Sprache erlernen?

Die Art und Weise, wie Kinder und Erwachsene Sprachen lernen, unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht. Zunächst ist das Gehirn bei Kindern noch in der Entwicklung, während es bei Erwachsenen bereits vollständig entwickelt ist. Daher ist das Gehirn von Kindern flexibler und das Sprachsystem im Gehirn kann sich besser sowohl auf die Muttersprache als auch auf eine fremde Sprache einstellen. Aus diesem Grund können Kinder oftmals eine zweite Sprache lernen, ohne dass sie dabei einen Akzent in ihrer Aussprache entwickeln. Außerdem können sie feine phonologische Unterschiede in der zweiten Sprache besser unterscheiden.  Auf der anderen Seite ist das Gehirn von Erwachsenen bereits weiter entwickelt und sie sind in der Lage, viele ihrer Erfahrungen beim Lernen der Sprache zu benutzen. Sie können schneller und besser über Vergleiche und anhand von abstrakten Regeln und ihrer Anwendung  lernen. Abgesehen von den Unterschieden in ihren Gehirnen unterscheiden sich Kinder und Erwachsene auch darin, in welchem Umfeld sie die Sprache lernen. Erwachsene und Jugendliche lernen eine neue Sprache im schulischen Umfeld, während Kinder im täglichen Umfeld eher in eine neue Sprache “eintauchen” (auch Sprachimmersion genannt).

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Bei der Frage, wann es am besten ist, eine zweite Sprache zu lernen, muss man auch unterscheiden, was genau erlernt oder verbessert werden soll. Als Faustregel gilt, dass eine Sprache, die vor dem 6.-9. Lebensjahr erlernt wird, zu keinem hörbaren Akzent führt und die Sprache sehr selbstbewusst verwendet wird. Dafür muss die zweite Sprache aber auch für eine beträchtliche Zeit gehört und gebraucht werden. Wird eine Sprache später erlernt, ist vielleicht ein leichter Akzent zu hören, aber dennoch lässt sich ein sehr hohes Niveau erreichen, das durchaus dem eines Muttersprachlers ähneln kann. Erwachsene verbringen allerdings auch verhältnismäßig weniger Zeit damit, eine zweite Sprache zu lernen. Und selbst wenn sie wie Kinder eine zweite Sprache durch ihr Umfeld aufsaugen und dementsprechend mehr Zeit mit dem Lernen verbringen, wird bei ihnen immer ein leichter Akzent zu hören sein, auch wenn sie ansonsten ein sehr gutes Lernniveau erreichen. Anders als bei der Aussprache, sind Kinder und Erwachsene beim Vokabeln lernen allerdings ähnlich gut.

Insbesondere bei älteren Menschen ist die Motivation ausschlaggebend für den Lernerfolg beim Erlernen einer Sprache. Auch noch nach dem 60. Lebensjahr können sehr gute Erfolge erzielt werden. Außerdem kann das Erlernen einer Fremdsprache auch gegen Gedächtnisverlust, wie z.B. Alzheimer vorbeugen. Der Mensch ist von Natur aus neugierig und kann in jedem Alter ermutigt werden, neue Sprachen zu erlernen und damit neue Kulturen kennenzulernen.

 Annika Hulten & Diana Dimitrova
Aus dem Englischen übersetzt von Manu Schütze & Katrin Bangel

Weiterführende Literatur:

Kremer, M. (2009). Wie kommt der Mensch zur Sprache - Über Spracherwerbsprozesse. München: GRIN. (link)

Kuhl, P. K. (2010). Brain mechanisms in early language acquisition. Neuron, 67, 713-727. (link)

Oksaar, E. (2003). Zweitspracherwerb: Wege zur Mehrsprachigkeit und zur interkulturellen Verständigung. Stuttgart: Kohlhammer. (Buchbesprechung)

Rodríguez-Fornells, A., T. Cunillera, A. Mestres-Missé & R. de Diego-Balaguer (2009). Neurophysiological mechanisms involved in language learning in adults. Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Series B, Biological Sciences, 364, 3711-3735. (link)

About MPI

This is the MPI

The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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Dieses Projekt wurde von Katrien Segaert, Katerina Kucera und Judith Holler ins Leben gerufen.

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