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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Sprechen wir im Schlaf anders als tagsüber?

Wir tun viele Dinge im Schlaf. Wir bewegen uns, nuscheln, lachen und manchmal flüstern oder sprechen wir sogar. Das Sprechen im Schlaf (auch Somniloquie genannt) kann in jedem Alter und in allen Phasen des Schlafes auftauchen. Aber was ist der Unterschied zwischen dieser Art des Sprechens und normaler Alltagssprache ?

7.09 sleep

Image: Paul Sapiano

Sprechfehler machen wir sowohl im Schlaf als auch wenn wir wach sind. Im Schlaf kommen Fehler allerdings häufiger vor. So kommt es häufiger zu Wortfindungsstörungen oder Verwechslungen einzelner Buchstaben, z.B. Tartengor statt Gartentor. Darüber hinaus können wir uns im Schlaf durchaus so anhören, wie Menschen, die an einer Sprachstörung leiden (z.B. Aphasie durch Hirnschädigung). Manchmal ähnelt unsere Sprache im Schlaf sogar der von Schizophreniepatienten, weil unsere Äußerungen dann nicht direkt miteinander verbunden sind und dadurch ohne Sinn und zusammenhanglos erscheinen. Außerdem sprechen wir im Schlaf viel undeutlicher und es können beim Sprechen so genannte Neologismen entstehen, also frei erfundene Wörter.

Trotz dieser Unterschiede ist es allerdings bemerkenswert, wie ähnlich wir im Schlaf im Vergleich zu tagsüber sprechen. Beim Schlafen können durchaus vollständige Sätze gebildet werden, deren Satzstrukturen korrekt sind. Es tauchen immer wieder Anekdoten auf, in denen einige Menschen im Schlaf sogar wortgewandter und kreativer sind, als im wachen Zustand (z.B. wenn wir eine zweite Sprache sprechen).

Im Schlaf zu sprechen ist an sich keine psychische Störung, kann aber zusammen mit anderen Schlafstörungen auftreten, z.B. beim Schlafwandeln (Somnambulismus). Außerdem sprechen Menschen nach einem traumatischen Ereignis, (z.B. Soldaten, die im Krieg gekämpft haben), im Schlaf generell mehr als Menschen, die noch nie ein traumatisches Erlebnis hatten. Neben diesen äußeren Faktoren, die das Sprechen im Schlaf beeinflussen können, wurden auch mögliche genetische Ursachen festgestellt. Die Chancen sind viel höher, irgendwann einmal im Schlaf zu sprechen, wenn auch die Eltern regelmäßig im Schlaf sprechen.

Im Endeffekt sprechen wir also im Schlaf nicht so viel anders, als man (anfangs) vielleicht vermuten würde. Der größte Unterschied lässt sich dahingehend zusammenfassen, dass man beim Schlafen weniger Kontrolle über das Gesagte hat, als wenn man wach ist. Oder wie es The Romantics bereits 1984 sangen: I hear the secrets that you keep; When you're talking in your sleep; and I know that I’m right, cause I hear it in the night. (Ich höre die Geheimnisse, die du verbirgst, wenn du im Schlaf redest, und ich weiß, ich habe recht, denn ich höre es in der Nacht.) Ob das allerdings wirklich stimmt, wurde noch nicht wissenschaftlich untersucht.

 David Peeters & Roel M. Willems
Aus dem Englischen übersetzt von Manu Schütze & Katrin Bangel

Weiterführende Literatur:

Parasomnien und Störungen des Schlaf- Wachrythmus (link)

Arkin, A. (1981). Sleep talking. Psychology and psychophysiology. Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum Associates.

About MPI

This is the MPI

The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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