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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Verstehen zwei Menschen mit unterschiedlichen Gebärdensprachen die Gebärden der anderen Person?

Wenn Menschen außerhalb der Sprachforschung hören, dass wir Gebärdensprache untersuchen oder sie Menschen beobachten die sich mithilfe von Gebärden verständigen, fragen sie oft, ob Zeichensprache universell ist. Die Antwort auf diese Frage ist, dass fast jedes Land mindestens eine nationale Gebärdensprache beheimatet. Außerdem unterscheidet sich Gebärdensprache oft sehr von der dominanten, gesprochenen Sprache in Ursprungsland. Britische und amerikanische Gebärden sehen zum Beispiel sehr verschieden aus. Die chinesische und die niederländische Gebärdensprache unterscheiden sich nicht nur im Vokabular, sondern auch im Finger-Buchstabieren und beide haben weiterhin ihre eigenen grammatischen Regeln. Erstaunlicherweise sind taube Chinesen und taube Niederländer, die auf keine gemeinsame Sprache zurückgreifen können, dennoch in der Lage, sich relativ unkompliziert zu verständigen.

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Diese Art von ad-hoc-Kommunikation wird auch als Cross-signing (überkreuzendes Gebärden) bezeichnet. In Zusammenarbeit mit dem ‚Internationalen Institut für Gebärdensprache und Studien zur Taubheit‘ (International Institute for Sign Languages and Deaf Studies - iSLanDS) untersuchen wir, wie genau Cross-signing zwischen Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern entsteht, wenn diese einander zum ersten Mal begegnen. Dazu analysieren wir Videoaufnahmen von gebärdenden Menschen aus beispielsweise Südkorea, Usbekistan oder Indonesien. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass der kommunikative Erfolg einer solchen Unterhaltung davon abhängt, wie gut die kommunizierenden Personen kreative Gebärden (die nicht Teil der eigenen Sprache sind) benutzen und verstehen können. Diese sprachliche Kreativität zeichnet sich häufig durch sehr bildliche Eigenschaften der Gebärden aus (z.B. die Darstellung eines Kreises in der Luft stellvertretend für ein rundes Objekt, oder der Bezug auf einen Mann durch das Andeuten eines Schnurrbartes). Weiterhin spielen auch generelle Prinzipien menschlicher Interaktion bei der Kreativität eine Rolle, wie zum Beispiel das Wiederholen einer Gebärde als Bitte um mehr Informationen.

Cross-signing unterscheidet sich von internationaler Gebärdensprache. Letzte wird zum Beispiel bei internationalen Treffen wie dem Kongress der Weltföderation der Menschen mit Taubheit oder den ‚Deaflympics‘ benutzt. Die internationale Gebärdensprache ist stark geprägt von Gebärden aus der amerikanischen Gebärdensprache und wird bei Präsentationen vor einem internationalen tauben Publikum, das mit den Vokabeln  vertraut ist, verwandt. Cross-signing hingegen entsteht wenn zwei Benutzer von Gebärdensprache aufeinandertreffen, die mit der Muttersprache der anderen Person nicht vertraut sind.

Connie de Vos, Kang-Suk Byun & Elizabeth Manrique
übersetzt aus dem Englischen von Florian Hintz & Katrin Bangel

Weiterführende Literatur:

Informationen zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen unterschiedlichen Gebärdensprachen, und zwischen gesprochenen und gebärdeten Sprache  (verfasst von der Weltföderation der Menschen mit Taubheit) (link)

Mesch, J. (2010). Perspectives on the Concept and Definition of International Sign. World Federation of the Deaf. (link)

Supalla, T., & Webb, R. (1995). The grammar of International Sign: A new look at pidgin languages. In K. Emory and J. Reilly (Eds.), Sign, Gesture and Space. (pp.333-352) Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum.

About MPI

This is the MPI

The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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Dieses Projekt wurde von Katrien Segaert, Katerina Kucera und Judith Holler ins Leben gerufen.

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