You are here: Home Q&A Fragen und Antworten Was ist der Zusammenhang zwischen Bewegung und Sprache?

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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Was ist der Zusammenhang zwischen Bewegung und Sprache?

Um sprechen zu können, müssen sehr schnelle Bewegungsabläufe geplant und ausgeführt werden. Hierfür sind viele verschiedene Muskelsysteme notwendig. Wenn wir sprechen, arbeiten sowohl unsere Muskeln von Zunge, Lippen und Kiefer als auch die des Kehlkopfes und des Atmungsapparates zusammen. Wie für jede andere Bewegung auch, sind Kontrolle von sinnlicher Wahrnehmung und Sprechbewegung (sensomotorische Kontrolle der Sprache) und Planung der Bewegung (motorische Planung)  zum Sprechen unerlässlich.

Ein Zusammenhang zwischen feinmotorischen Fähigkeiten und Sprachbegabung konnte bereits bei Kindern gezeigt werden. Daher empfehlen Sprachtherapeuten für Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung auch Übungen, die die Sensomotorik beanspruchen. Dazu zählen z.B. Fingermalerei, Spiele in Wasser und Sand. Auch Übungen bei denen kleinere Dinge gehandhabt werden, wie das Malen mit Buntstiften  oder etwas zuknöpfen, sind geeignet. Hierdurch werden neue Verbindungen im Gehirn gebildet, die zur Ausübung und zur Kontrolle (feiner) Bewegungen notwendig sind. Deshalb sind Übungen mit den Händen wichtige Therapieelemente, wenn nach einem Schlaganfall oder einer Hirnschädigung Sprachprobleme durch beeinträchtigte Aussprache oder gestörte Bewegungskontrolle bestehen.

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Ein weiterer Zusammenhang zwischen Bewegung und Sprache findet sich im Bereich der sprachbegleitenden Gesten. Beim Sprechen benutzen wir sehr häufig Gesten. Diese sind wichtig, um zu verstehen, was unser Gegenüber eigentlich ausdrücken möchte. In Situationen, in denen das Hörverstehen eingeschränkt ist, werden Gesten sogar unentbehrlich, wie z.B. in einer lauten Umgebung oder wenn Menschen in unterschiedlichen Sprachen kommunizieren. Wir sind dabei sehr begabt, anhand von Handbewegungen und Körpersprache herauszufinden, was uns unser Gegenüber mitteilen möchte. Neueste Forschungsergebnisse zeigen sogar, dass bei der Interpretation von Gesten dieselben Hirnregionen wie beim Sprachverständnis beteiligt sind. Und schließlich lässt sich Sprache selbst komplett durch Körperbewegungen ersetzen, wie z.B. durch Hand-, Arm- oder Gesichtsbewegungen, was am Beispiel der Zeichensprache, die von Gehörlosen benutzt wird, deutlich wird.  

 Irina Simanova & David Peeters
aus dem Englischen übersetzt von Katrin Bangel & Manu Schuetze

Weiterlesen?

Gehirn lernt Sprache auch außerhalb des Sprachzentrums. Bewegungszentrum des Gehirns an Spracherwerb beteiligt (link)

Why a Long Island Speech Therapist Incorporates Movement and Sensory Activities into Speech Therapy Sessions (link)

McNeill, David (2012). How Language Began: Gesture and Speech in Human Evolution. New York, USA; United Kingdom: Cambridge University Press. (link)

Zimmer, R. (2012). Mit dem Körper die Sprache entdecken – Lustvolle Zugänge zu Sprache und Literacy. In Hunger, I., Zimmer, R. (Hrsg.), Frühe Kindheit in Bewegung. Entwicklungspotentiale nutzen. Schorndorf: Hofmann. (link)

About MPI

This is the MPI

The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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Dieses Projekt wurde von Katrien Segaert, Katerina Kucera und Judith Holler ins Leben gerufen.

Im Moment wird dieses Projekt koordiniert von:
Katerina Kucera
Sean Roberts
Agnieszka Konopka
Gwilym Lockwood
Connie de Vos

Ehemalige Mitglieder:
Joost Rommers
Mark Dingemanse