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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Was ist Körpersprache?

Wir können nicht nicht kommunizieren. Körpersprache ist eine Art non-verbaler Kommunikation, die häufig mit Informationen über Einstellungen, Gefühle oder zwischenmenschliche Beziehungen assoziiert wird. Ein bekanntes Beispiel dafür, dass Körpersprache solche Art von Informationen kommunizieren kann ist Körperhaltung.  Sich zurücklehnen und dabei die Arme kreuzen wird beispielsweise häufig als Zeichen einer verschlossenen Haltung gegenüber dem Anderen interpretiert, das Gegenteil von dem, was wir uns vorstellen, wenn wir an jemanden denken, der in einem Gespräch Offenheit und Interesse signalisiert.  Sich zurücklehnen, während man die Arme so hinter dem Kopf so kreuzt, dass die Ellenbogen voneinander weg zeigen wiederum, wird häufig als Zeichen von Macht und Dominanz interpretiert.

Trotzdem ist es wichtig, dass es sich bei der Beziehung von einer bestimmten Körperhaltung mit einer Bedeutung nicht um 1:1 Übersetzungen, sondern eher um Assoziationen handelt. Körpersprache wird häufig so dargestellt, dass nahegelegt wird es gäbe es eine Art festen "Code" von bestimmten Körperhaltungen, die eine genaue und genau eine Bedeutung haben. Schauen wir uns mal die folgenden Beispiele an (wie von Allan Pease in seinem Buch 'Body language' beschrieben): wenn in einem Gespräch die Fussspitze auf eine bestimmte Person zeigt, signalisiert man damit romantisches Interesse in dieser Person; Zigarettenrauch in eine bestimmte Richtung pusten zeigt Selbstsicherheit; und wenn man seine Hand auf die Hüfte eines anderen legt und dabei einer Finger in die Gürtelschlaufe steckt, zeigt man sexuelle Bereitwilligkeit. Es gibt wenige Gründe zur Annahme, dass Körpersprache tatsächlich so funktioniert. Körpersprache ist vielmehr ein vielschichtiges System von vielen Verhaltensebenen, die miteinander interagieren, so wie natürlich auch mit dem was wir sagen und tun. Somit ist Körpersprache ein komplexes und kontextabhängiges System. Einen geheimen Code mit bestimmten Funktionen gibt es leider nicht.

Wichtig ist, dass Körpersprache sich fundamental von anderen Arten non-verbaler Kommunikation, wie zum Beispiel sprachbgeleitende Gesten, unterscheidet. Sprachbegleitende Gesten sind körperliche Bewegungen, hauptsächlich der Hände und Arme, die Information darstellen, welche eng mit der begleitenden Sprache in Verbindung steht (stellen Sie sich zum Beispiel vor jemand zeichnet unsichtbare Kreise mit dem ausgestreckten Zeigefinger in die Luft um eine rotierende Bewegung darzustellen während die Person gleichzeitig über einen Hubschrauber redet). Gebärdensprachen, auch eine Form visuell-körperlicher Kommunikation, unterscheiden sich sowohl von dieser Art ikonischer sprachbegleitenden Gesten als auch von Körpersprache indem sie volle und eigenständige Sprachsysteme sind. Ikonische sprachbegleitende Gesten und Gebärden gleichen sich aber in der Hinsicht, dass sie Bedeutung, zum Beispiel, im Sinne konkreter Information über die Welt in der wir leben, an einen Adressaten kommunizieren (wenn auch auf verschiedene Art und Weise; sehen Sie sich gerne die Antwort zur Frage „Wäre es möglich nonverbal, also ohne Worte zu kommunizieren, so dass sich Menschen aus verschiedenen Kulturen trotzdem verständigen können?“). In dieser Hinsicht unterscheiden sich sowohl Gebärdensprachen als auch sprachbegleitende Gesten von Körpersprache.

Trägt Körpersprache dann denn irgendetwas zur zwischenmenschlichen Kommunikation bei? Obwohl es schwierig sein kann, zu bestimmen, wieviel Information körperliche Signale nun genau übermitteln, ist es weitgehend unumstritten, dass Körpersprache oft zumindest genauso wichtig ist, wie die Worte, die wir sprechen (falls nicht sogar wichtiger), und dass Körpersprache deshalb einen wesentlichen Teil unserer Kommunikation ausmacht. In manchen Situation kann unser Körper unheimlich viel auf einmal kommunizieren, was nur schwer mit ohne sehr langschweifige Sätze aus vielen Worten bestehend vermittelt werden kann. Und manchmal kommuniziert unser Körper auch Dinge, die wir gar nicht wirklich in Worte fassen können.  

Judith HollerFranziska Hartung & Charlotte Poulisse
Aus dem Englischen übersetzt von Judith Holler & Franziska Hartung

Mehr Infos?

Allan Pease (1981). Body Language: Gestures in daily encounters (link)

Albert, M. (1971). Silent Messages. Belmont, CA: Wadsworth.

Argyle, M. (1975). Bodily Communication. Methuen: London.

About MPI

This is the MPI

The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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Dieses Projekt wurde von Katrien Segaert, Katerina Kucera und Judith Holler ins Leben gerufen.

Im Moment wird dieses Projekt koordiniert von:
Katerina Kucera
Sean Roberts
Agnieszka Konopka
Gwilym Lockwood
Connie de Vos

Ehemalige Mitglieder:
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Mark Dingemanse