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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Was sind Homophone und warum gibt es sie?

Homophone sind Wörter die gleich klingen aber mindestens zwei unterschiedliche Bedeutungen haben. Dieses Phänomen kommt in allen Sprachen vor. Ein Beispiel aus dem Englischen sind die Worte FLOWER (Blume) und FLOUR (Mehl), während im Deutschen beispielsweise LEERE und LEHRE Homophone sind. Obwohl diese Wortpaare jeweils gleich ausgesprochen werden, unterscheiden sie sich in ihrer Bedeutung und in ihrer Schreibweise (sie werden deshalb auch heterographe Homophone genannt). Es gibt aber auch Homophone die gleich klingen und gleich geschrieben werden, zum Beispiel die Wörter BANK (Sitzmöbel) und BANK (Geldinstitut) im Deutschen oder Englischen. Solche Wörter werden homographe Homphone genannt. Wörter mit gleichem oder ähnlichem Klang, aber unterschiedlichen Bedeutungen, existieren außerdem über Sprachgrenzen hinweg: zum Beispiel bedeutet das Wort WIE im Deutschen 'wie' (Fragewort der Art und Weise), im Niederländischen aber 'wer' (Personenfragewort).

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Man könnte meinen, dass Homophone dem Empfänger oder Zuhörer Probleme bereiten. Denn wie soll ein Zuhörer wissen was ein Sprecher meint, wenn dieser "Ich hasse die Maus!" sagt. Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Studien, dass Zuhörer mehr Zeit brauchen um zweideutige Wörter zu verarbeiten als eindeutige Wörter. In den meisten Fällen hilft uns allerdings der Kontext  die richtige Bedeutung herauszufiltern. Der obengenannte Satz könnte zum Beispiel in den folgenden Zusammenhängen vorkommen: "Ich habe nichts gegen die Tiere meiner Tochter, aber ich hasse die Maus" oder "Ich liebe meinen neuen Computer, aber ich hasse die Maus". Gewöhnlich filtern Zuhörer die intendierte Bedeutung so schnell heraus, dass sie die mögliche Zweideutigkeit gar nicht erst wahrnehmen. Der vorherige sprachliche Kontext sowie unser allgemeines Weltwissen helfen uns also dabei die vom Sprecher beabsichtigte Bedeutung der Wörter zu erkennen.

Warum existieren Homophone dann eigentlich? Es wäre doch viel weniger verwirrend unterschiedliche Lautkombinationen zu benutzen um unterschiedliche Konzepte auszudrücken. Linguisten nehmen an, dass Lautveränderungen im Zuge des ständigen Sprachwandels zur Existenz von Homophonen führen. So wurde zum Beispiel der erste Buchstabe des englischen Wortes KNIGHT (Ritter) im frühen18. Jahrhundert nicht mehr ausgesprochen, und führte so zur Homphonie mit dem Word NIGHT (Nacht). Auch der Kontakt von Sprachen kann Homophone hervor bringen. Das Englische Wort DATE (Treffen) wurde jüngst ins Niederländische übernommen und bildet nun ein Homophon mit dem Wort DEED (hat getan). Durch Lautveränderungen im Laufe der Zeit können  Homophone also entstehen, sie können mit dem Sprachwandel allerdings auch verschwinden. Das Niederländische Verb ZOUDT (würde) beispielsweise wird heute kaum noch genutzt. Dadurch verliert das Nomen ZOUT (Salz) seinen homophonen Charakter.

Eine besonders schöne Eigenschaft von Homophonen ist, dass sie häufig in Wortspielen vorkommen und als Stilmittel in literarischen Texten eingesetzt werden. In Shakespeares Romeo und Julia (Akt I, Szene IV, Zeile 13-16) benutzt Romeo beispielsweise ein Homophon während er Mercutios Vorschlag zu tanzen zurückweist:

Mercutio:              Nay, gentle Romeo, we must have you dance.

Romeo:                Not I, believe me: you have dancing shoes

                          With nimble soles: I have a soul of lead

                          So stakes me to the ground I cannot move.

Dieser elegante Gebrauch von Homophonen hat - unter anderem - zu Shakespeares groβem literarischem Erfolg geführt.

Von David Peeters und Antje S. Meyer

Aus dem Englischen übersetzt von Cornelia Moers & Thordis Neger


Weitere Informationen:

Bloomfield, L. (1933). Language. New York: Henry Holt and Company.

Cutler, A., & Van Donselaar, W. (2001). Voornaam is not (really) a homophone: Lexical prosody and lexical access in Dutch. Language and speech, 44(2), 171-195. (link)

Rodd, J., Gaskell, G., & Marslen-Wilson, W. (2002). Making sense of semantic ambiguity: Semantic competition in lexical access. Journal of Memory and Language, 46(2), 245-266. (link)

Tabossi, P. (1988). Accessing lexical ambiguity in different types of sentential contexts. Journal of Memory and Language, 27(3), 324-340. (link)

About MPI

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The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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