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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Werden sich Sprachen mit der Zeit immer ähnlicher oder unterscheiden sie sich immer mehr voneinander?

Es gibt folgende Annahme bezüglich des Wandels einer Sprache: Spaltet sich eine Sprachgemeinschaft in zwei Gruppen auf, die fortan keinen Kontakt mehr miteinander haben, so entwickelt sich die ehemals gleiche Sprache mit der Zeit immer weiter auseinander. Wenn beide Gruppen wieder in Kontakt miteinander kommen, können sich beide Sprachen jedoch wieder annähern, indem sie bestimmte Bestandteile voneinander übernehmen. In vielen Teilen der Erde ist genau das passiert -bestimmte Bestandteile einer Sprache wurden in andere Sprachen übernommen. Ein aktuelles Beispiel ist das Wort 'Internet', das seinen Weg in viele Sprachen gefunden hat. Als globale Kommunikation noch nicht so ohne weiteres möglich war, beschränkten sich diese Entlehnungen nur auf Sprachen in denselben oder angrenzenden Gebieten. Dadurch konnte es sein, dass sich Sprachen immer ähnlicher wurden. Sprachwissenschaftler nennen das im Englischen areal effects (dt. etwa "gebietliche oder räumliche Effekte"). Bei der Annäherung an eine andere Sprache spielen soziolinguistische Faktoren eine Rolle, wie z.B. Migration oder dass eine Gruppe stärker oder angesehener als die andere ist.

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Ein weiterer Grund, um Worte oder Regeln aus einer anderen Sprache zu übernehmen, ist  es, wenn diese einfacher zu lernen sind oder dem menschlichen Gehirn “besser passen”. Das ist in etwa so wie in der Biologie, wenn unterschiedliche Arten ähnliche Merkmale entwickeln, wie z.B. Vögel, Fledermäuse und einige Dinosaurier Flügel entwickelt haben.

Es ist inzwischen auch möglich, dass Sprachen aus gegenüberliegenden Gebieten der Erde sich so ändern, dass sie immer ähnlicher zueinander werden. Wissenschaftler haben Merkmale in Wörtern mehrerer Sprachen entdeckt, die anscheinend einen direkten Zusammenhang zwischen dem Klang und der Bedeutung des Wortes zeigen. In vielen Sprachen beinhaltet bspw. das Wort für 'Nase' Buchstaben, die auch durch die Nase gebildet werden, wie "n". Viele Sprachen benutzen dementsprechend auch ein ähnliches Wort um anzuzweifeln, was jemand gesagt hat: "häh?" oder "was?". Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass es kurz ist, sich wie eine Frage anhört und man sehr schnell die Aufmerksamkeit von anderen bekommt.

Es ist schwierig, zu unterscheiden, ob die Worte zweier Sprachen ähnlich sind, weil sie universelle Merkmale enthalten (wie oben beschrieben) oder weil sie voneinander übernommen wurden. Evolutionäre Sprach-wissenschaft versucht, Wege zu finden, um diese Unterschiede deutlich zu machen.

Durch evolutionäre Sprachwissenschaft wird auch eine Frage beantwortet, die der gesamten sprachwissenschaftlichen Forschung zugrunde liegt: Gibt es Grenzen in der Vielfalt von Sprachen? In frühen Theorien wurde davon ausgegangen, dass wir durch unsere Biologie eingeschränkt sind und nur bestimmte Strukturen verarbeiten können.  Allerdings haben Feldforscher in letzter Zeit immer mehr Sprachen dokumentiert, die eine riesige Anzahl an verschiedenen Tönen, Worten und Regeln besitzen. Vielleicht ist es also der Fall, dass jedes Mal, wenn sich zwei Sprachen annähern, sie sich auf eine andere Art und Weise weiter unterscheiden.

 by Seán Roberts & Gwilym Lockwood
Aus dem Englischen übersetzt von Manu Schütze & Katrin Bangel

Some links

Can you tell the difference between languages? (link)
Why is it studying linguistic diversity difficult? (link)
Is ‘huh?’ a universal word? (link)

Further Reading

Nettle, D. (1999). Linguistic Diversity. Oxford: Oxford University Press.

Dingemanse, M., Torreira, F., & Enfield, N. J. (in press). Is “Huh?” a universal word? Conversational infrastructure and the convergent evolution of linguistic items. PLoS One. (link)

Dunn, M., Greenhill, S. J., Levinson, S. C., & Gray, R. D. (2011). Evolved structure of language shows lineage-specific trends in word-order universals. Nature, 473, 79-82. (link)

About MPI

This is the MPI

The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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Dieses Projekt wurde von Katrien Segaert, Katerina Kucera und Judith Holler ins Leben gerufen.

Im Moment wird dieses Projekt koordiniert von:
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Agnieszka Konopka
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