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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Wie, in welcher Reihenfolge und warum entwickeln Menschen die verschiedenen Fähigkeiten, die für den Spracherwerb nötig sind?

Kinder fangen in der Regel mit zwei oder drei Monaten an zu brabbeln – am Anfang produzieren sie dabei Vokale, später Konsonanten und mit sieben bis elf Monaten schließlich wort-ähnliche Geräusche. Kinder brabbeln, um zu erkunden wie ihr Sprach-Apparat funktioniert, wie sie verschiedene Töne produzieren können. Mit der Produktion von wort-ähnlichen Geräuschen kommt die Fähigkeit, Wörter von einem gegebenen Sprach-Input zu extrahieren. Dies sind wichtige Schritte aus dem Weg zu den ersten Wörtern eines Kindes. Diese produziert ein Kind in der Regel im Alter von 12 Monaten.

Simplen Ein-Wort-Äußerungen folgen Zwei-Wort-Äußerungen in der zweiten Hälfte des zweiten Lebensjahrs des Kindes, in welchen man bereits Grammatik erkennen kann. Kinder, die mit deutscher oder niederländischer (Subjekt-Objekt-Verb Satzstellung in Nebensätzen, welche eine beständigere Wortreihenfolge als Hauptsätze haben) oder englischer Sprache aufwachsen (Subjekt-Verb-Objekt Satzstellung), produzieren ihre Zwei-Wort-Sätze in Subjekt-Verb Reihenfolge, also zum Beispiel „Ich esse“, während arabisch- oder irisch-lernende Kinder (Sprachen mit einer Verb-Subjekt-Objekt Satzstellung) Sätze wie „Esse ich“ produzieren. Von da an ist ein rapider Anstieg im Vokabular des Kindes zu beobachten, während die produzierten Sätze des Kindes länger und komplexer werden. Man sagt, Grammatik hat sich im Alter von vier bis fünf Jahren vollständig entwickelt. Ab diesem Alter sind Kinder im Grunde linguistische Erwachsene. Das Alter, in dem Kinder diese Fähigkeiten entwickeln, kann von einem Kind zum anderen stark variieren und die Reihenfolge der Entwicklung hängt auch vom linguistischen Umfeld ab, in dem das Kind aufwächst. Aber im Alter von vier oder fünf Jahren haben alle gesunden Kinder Sprache erworben. Der Erwerb von Sprache korreliert mit verschiedenen Prozessen im Gehirn, wie der Formation von konnektiven Nervenbahnen, der Zunahme von metabolischer Aktivität in verschiedenen Gehirnregionen und der Markreifung (die Produktion von Myelinscheiden, die eine Schicht um das Axon eines Neurons bilden und essentiell für die korrekte Funktion des Nervensystems sind).

Von Mariella Paul und Antje Meyer

Aus dem Englischen übersetzt von Mariella Paul

Weitere Informationen:

Bates E, Thal D, Finlay BL, Clancy, B (1999) Early Language Development and its Neural Correlates, in I. Rapin & S. Segalowitz (Eds.), Handbook of Neuropsychology, Vol. 6, Child Neurology (2nd edition). Amsterdam: Elsevier. (link)

About MPI

This is the MPI

The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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Dieses Projekt wurde von Katrien Segaert, Katerina Kucera und Judith Holler ins Leben gerufen.

Im Moment wird dieses Projekt koordiniert von:
Katerina Kucera
Sean Roberts
Agnieszka Konopka
Gwilym Lockwood
Connie de Vos

Ehemalige Mitglieder:
Joost Rommers
Mark Dingemanse