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Gibt es etwas, das Sie schon immer über Sprache wissen wollten? Vielleicht haben wir die Antwort! Forscher vom Max Planck Institut für Psycholinguistik beantworten hier Fragen über Sprache von Menschen, die selber keine Sprachforscher sind. Falls Sie auch eine Frage über Sprache haben, schicken Sie sie uns hier! MPI Forscher schreiben regelmäβig Antworten auf die uns zugesendeten Fragen und machen diese über die hiesige webpage einsehbar. Besuchen Sie uns wieder, um durch zukünftige Fragen und Antworten mehr über Sprache zu lernen.

Wie war Sprache ganz am Anfang ihrer Evolution?

Das wissen wir nicht! Es ist eines der größten Rätsel im Bereich der Sprachentwicklung. Im Gegensatz zu Steinwerkzeugen oder Skeletten die versteinern, können wir die menschliche Sprache aus unterschiedlichen Epochen nicht direkt studieren. Wir verfügen über Schriftstücke, die mehr als 6.000 Jahren alt sind und uns helfen können herauszufinden wie Sprachen vor relativ kurzer Zeit gewesen sind. Allerdings weisen neue Forschungsergebnisse darauf hin, dass Menschen vielleicht schon seit 500.000 Jahren Sprachen so benutzen, wie wir sie heutzutage kennen.

Time

Image: Alexandre Duret-Lutz

Um eine Vorstellung davon zu bekommen wie Sprachen sich entwickelt haben könnten, verwenden Wissenschaftler Modellsysteme. Dazu gehören beispielsweise Computermodelle, Experimente mit Versuchspersonen oder die Erforschung von Sprachen, die sich erst in jüngster Zeit entwickelt haben, wie z.b. Gebärdensprache. Wir können uns also nicht sicher sein, wie sich die erste Sprache anhörte, aber wir können herausfinden, wie sich Kommunikationssysteme (weiter-) entwickeln.

Eine Reihe von Experimenten untersuchte z.B. wie sich Kommunikationssysteme entwickeln können. Versuchspersonen konnten sich für eine Weile ausschließlich mithilfe von Zeichnungen verständigen. Dabei fand man heraus, dass Verhandlungen und Feedback bei der Kommunikation für die Entwicklung eines erfolgreichen Kommunikationssystems sehr wichtig sind.

Für ein weiteres Experiment wurde eine Art "Kette" aus Personen gebildet, die eine künstliche Sprache erlernten. Der erste Lernende musste eine Sprache ohne Regeln lernen und dann der nächsten Person in der Kette alles beibringen, an das sie sich erinnern konnte. Diese zweite Person versuchte widerum die Sprache zu lernen und gab ihr Wissen folglich an die dritte Person in der Kette weiter - wie bei dem Spiel „Stille Post”. Auf diese Weise können Forscher den Prozess der Übergabe einer Sprache über mehrere Generationen simulieren. Dies dauert hierbei allerdings nur einen Nachmittag statt Tausende von Jahren. Im Laufe des Experimentes zeigte sich folgendes: Am Anfang gab es viele verschiedene Wörter mit jeweils unterschiedlichen Bedeutungen, am Ende allerdings mehrere kleine Wörter, die Teilbedeutungen ausdrückten und kombiniert werden konnten. Es entstand also eine Sprache mit gewissen Regeln.

Für einige Wissenschaftler ist also durchaus vorstellbar, dass frühere Sprachen für jede Bedeutung ein eigenes Wort besaßen, diese dann allmählich getrennt wurden und sich Regeln entwickelten. Allerdings gibt es auch andere, die der Meinung sind, dass Sprachen am Anfang ihrer Entwicklung nur kurze Wörter für jede Bedeutung hatten und allmählich gelernt wurde, diese zusammen zu setzen. Einige denken, dass Sprache sich sehr plötzlich entwickelte, während andere widerum meinen die Entwicklung ging sehr langsam von statten. Es gibt einige mit der Meinung, dass sich Teile der Sprache in vielen verschiedenen Orten zur gleichen Zeit entwickelten, und der Kontakt zwischen Gruppen die Ideen zusammen brachte. Manche Wissenschaftler denken sogar, dass frühe Sprachen mehr wie Musik geklungen haben. Und es gibt viele Hinweise darauf, dass die ersten Sprachen Zeichensprachen waren und dass gesprochene Sprachen sich erst später entwickelten.

Schlussendlich scheint es am besten zu sein, dass Wissenschaftler in diesem Bereich kreativ bleiben und immer Wissen verschiedener Bereiche wie Linguistik, Psychologie, Biologie, Neurowissenschaft und Anthropologie integrieren.

 Seán Roberts & Harald Hammarström
Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Bangel & Manu Schütze

Experimente zur Sprachentwicklung (Englisch):

Communicating with slide whistles (link)
The iterated learning experiments (link)
Blog posts on language evolution experiments (link1, link2)

Weiterführende Literatur:

Galantucci, B. (2005). An Experimental Study of the Emergence of Human Communication Systems. Cognitive Science, 29, 737-767. (link)

Hurford, J. (forthcoming). Origins of language: A slim guide. Oxford University Press.

Johansson. S. (2005), Origins of Language: Constraints on hypotheses. Amsterdam: John Benjamins.

Kirby, S., Cornish, H. & Smith, K. (2008). Cumulative cultural evolution in the laboratory: An experimental approach to the origins of structure in human language. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 105,10681–10686. (link)

About MPI

This is the MPI

The Max Planck Institute for Psycholinguistics is an institute of the German Max Planck Society. Our mission is to undertake basic research into the psychological,social and biological foundations of language. The goal is to understand how our minds and brains process language, how language interacts with other aspects of mind, and how we can learn languages of quite different types.

The institute is situated on the campus of the Radboud University. We participate in the Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, and have particularly close ties to that institute's Centre for Cognitive Neuroimaging. We also participate in the Centre for Language Studies. A joint graduate school, the IMPRS in Language Sciences, links the Donders Institute, the CLS and the MPI.

 

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Dieses Projekt wurde von Katrien Segaert, Katerina Kucera und Judith Holler ins Leben gerufen.

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