Der vorherige Blogbeitrag dieser Reihe hat einige kommunikative Vorteile des Nachahmens von Worten und Gesten des Gesprächspartners vorgestellt. Doch welche sozialen Auswirkungen hat gegenseitiges Nachahmen? Dieser Blogbeitrag beleuchtet die sozialen Risiken und Vorteile.
Nonverbales Verhalten nachzuahmen kann sympathischer machen
Fragt man Google oder ChatGPT nach „psychologischen Tricks, um sympathischer zu wirken“, lautet einer der häufigsten Tipps: „Versuchen Sie, Körpersprache, Gesten und Mimik Ihres Gegenübers zu imitieren.“ Das legt nahe, dass man durch das Nachahmen nonverbalen Verhaltens sympathischer wirkt. Doch gibt es dafür wissenschaftliche Belege?
Eine Studie von Forschern der New York University zeigte, dass Menschen dazu neigen, unbewusst das nonverbale Verhalten ihres Gesprächspartners nachzuahmen, beispielsweise Fußwippen oder Gesichtreiben. Sie fanden außerdem heraus, dass Menschen ihren Gesprächspartner als sympathischer und das Gespräch als angenehmer empfinden, wenn dieser sein Verhalten nachahmt. Dies ist als Chamäleon-Effekt bekannt: Wir übernehmen das nonverbale Verhalten unserer Umgebung, und uns anzupassen macht uns sympathischer.
Nicht jede Nachahmung ist gut
Das Imitieren eines Gesprächspartners kann positive soziale Auswirkungen haben, aber nur, wenn es richtig gemacht wird. Wird es falsch gemacht, kann das negative Folgen haben, die Beziehungen zerstören und die eigene Sympathie mindern. Nehmen wir Spott als Beispiel: Wenn man jemanden verspottet, indem man seine Aussagen und sein Verhalten wiederholt, um sich über ihn lustig zu machen, ist es nicht verwunderlich, wenn der sich zurückzieht und der eigene Ruf auch bei anderen leidet.
Doch nicht jede negative Nachahmung ist so offensichtlich wie Spott. Studien haben gezeigt, dass auch anatomische Nachahmung die Sympathie mindert. Natürliche Nachahmung ist spiegelbildlich, das heißt, Menschen ahmen das Verhalten anderer nach, als würden sie in einen Spiegel schauen. Sie bewegen ihre rechte Hand nach rechts, wenn ihr Gegenüber die linke Hand nach links bewegt. Im Gegensatz dazu bewegt man bei der anatomischen Nachahmung die linke Hand, wenn der Gesprächspartner die linke Hand bewegt. Dadurch entsteht der Eindruck, die beiden einander gegenüberstehenden Personen würden ihre Hände in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Forscher fanden heraus, dass Menschen ihren Gesprächspartner weniger mögen, wenn sie auf diese Weise anatomisch nachgeahmt werden, als wenn sie gar nicht nachgeahmt werden. Das deutet darauf hin, dass selbst subtile Unterschiede in der Art und Weise, wie man jemanden nachahmt, Folgen haben können!
Lohnt sich die Nachahmung also angesichts der Risiken?
Die Art und Weise, wie man eine Person im Gespräch kopiert, kann die eigene Sympathie steigern oder mindern. Entscheidend ist Natürlichkeit. Am besten imitiert man jemanden, indem man authentisch ist und es einfach geschehen lässt, ohne es bewusst zu versuchen. Wenn man aber unwillkürlich darüber nachdenkt (besonders jetzt, wo Sie dies gelesen haben!), sollte man versuchen, nur in kleinen Schritten und spiegelverkehrt nachzuahmen. Irgendwann wird es wieder weniger bewusst, und Sie werden wieder in der Lage sein, auf natürliche Weise von den positiven Effekten der natürlichen Nachahmung zu profitieren.
Zitierte Werke
Chartrand, T. L., & Bargh, J. A. (1999). The chameleon effect: The perception–behavior link and social interaction. Journal of Personality and Social Psychology, 76(6), 893–910. https://doi.org/10.1037/0022-3514.76.6.893
Casasanto, D., Casasanto, L. S., Gijssels, T., & Hagoort, P. (2020). The reverse chameleon effect: Negative social consequences of anatomical mimicry. Frontiers in Psychology, 11, 1876. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.01876
Fotonachweis
https://www.magnific.com/free-photo/medium-shot-couple-decorating-home_54166763.htm
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