Im Niederländischen kann die Bildung der Vergangenheitsform eines Verbs knifflig sein. Anstatt einfach etwas an das Ende anzuhängen, ändert sich oft das ganze Wort. Nehmen wir das niederländische Verb helpen („helfen“). Man könnte denken, dass die Vergangenheitsform helpte laute. Klingt logisch, oder? Im Niederländischen bilden viele Verben ihre Vergangenheitsform auf regelmäßige Weise: Wie im Deutschen nimmt den Verbstamm (also den Teil ohne -en am Ende) und hängt -te oder -de an, je nach dem letzten Laut des Stammes. Zum Beispiel: werken („arbeiten“) → Stamm: werk → Vergangenheitsform: werkte.
Aber die richtige Vergangenheitsform von helpen ist hielp – eine große Vokalveränderung, die nicht dem üblichen Muster folgt. Das ist selbst für Muttersprachler eine unerwartete Herausforderung, und erst recht für Kinder, die noch dabei sind, herauszufinden, wie ihre Sprache funktioniert. Das ist ein großer Schritt! Wie schaffen es Kinder also?
Genau das wollten wir herausfinden. Und dank einer umfangreichen Studie mit über 38.000 niederländischsprachigen Kindern haben wir einige Antworten gefunden.
Die zentrale Frage
Kinder machen Fehler beim Grammatiklernen – das gehört zum Lernprozess dazu. Aber warum scheinen manche Verben in der Vergangenheitsform schwieriger zu sein als andere? Nutzen Kinder Muster, wie zum Beispiel ähnlich klingende Wörter, um besser zu lernen? Oder lernen sie einfach nur das, was sie am häufigsten hören?
Unsere Vorgehensweise
Wir haben untersucht, wie Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren die Vergangenheitsform von 190 verschiedenen Verben bilden, die sie auf einer Website eingeben mussten. Dabei haben wir berücksichtigt, wie häufig diese Verben im Alltag verwendet werden. In diesem Alter sagen Kinder manchmal noch helpte statt hielp – es ist also der perfekte Zeitpunkt, um herauszufinden, wie das Lernen funktioniert.
Was macht es schwer, ein Verb zu lernen?
Nicht alle Verben sind gleich schwer zu lernen, wenn es um die Vergangenheitsform geht. Manche prägen sich einfach besser ein, weil wir sie oft hören. Andere klingen ähnlich wie andere Verben, was uns entweder helfen oder verwirren kann. Und manchmal kommt es auch auf die Bedeutung des Verbs an – ob es eine Handlung beschreibt, die eindeutig abgeschlossen ist, wie „brechen“, oder etwas Andauerndes, wie „wissen“.
Diese kleinen Unterschiede können es Kindern erleichtern oder erschweren, bestimmte Verben zu lernen – und sogar Erwachsenen, sie sich zu merken!
Was wir herausgefunden haben
Der wichtigste Faktor war, wie oft Kinder die korrekte Vergangenheitsform im Alltag hören. Je öfter sie Wörter wie hielp oder geholpen hören, desto besser beherrschen sie deren Anwendung. Interessanterweise half es nicht wirklich, ähnlich klingende Verben zu kennen. Beispielsweise half es Kindern nicht, die Vergangenheitsform von melken („melken“) zu kennen, um helpen („helfen“) zu erschließen. Und ob die Handlung ein klares Ende hatte, spielte ebenfalls keine große Rolle: Kinder hatten genauso oft Schwierigkeiten mit brak („brach“), das ein klares Ende hat, wie mit wist („wusste“), das kein klares Ende hat.
Es stellt sich also heraus, dass einige der bisherigen Annahmen darüber, was das Erlernen von Verben erleichtert, möglicherweise nicht so wichtig sind, wie wir einst dachten.
Was bedeutet das nun?
Kinder lernen am besten, indem sie korrekte Beispiele immer wieder hören. Es geht nicht darum, anhand ähnlich klingender Wörter zu raten oder sich auf versteckte Regeln zu verlassen – es geht um den direkten Kontakt mit der Sprache, zumindest im Niederländischen.
Kurz gesagt: Übung – und zwar viel davon – macht den Meister, wenn es um knifflige Grammatik geht. Derzeit konzentriert sich die Forschung zum kindlichen Spracherwerb hauptsächlich auf wenige Sprachen, und selbst Niederländisch wurde noch nicht ausreichend untersucht. Während Forscher Daten zu einer größeren Vielfalt von Sprachen sammeln, liefern diese Erkenntnisse über niederländisch lernende Kinder einen wichtigen Ausgangspunkt, um zu verstehen, wie Kinder Sprachen mit ähnlich komplexen Verbmustern erlernen. Und dank der Unterstützung von über 38.000 jungen Lernenden sind wir der Lösung dieses Problems nun ein großes Stück nähergekommen.
Literaturverzeichnis:
1. Kirjavainen, M., Nikolaev, A., & Kidd, E. (2012). The effect of frequency and phonological neighbourhood density on the acquisition of past tense verbs by Finnish children. Cognitive Linguistics, 23(2), 273–315. https://doi.org/10.1515/cog-2012-0009
2. Ragnarsdóttir, H., Simonsen, H. G., & Plunkett, K. (1999). The acquisition of past tense morphology in Icelandic and Norwegian children: An experimental study. Journal of Child Language, 26(3), 577–618. https://doi.org/10.1017/S0305000999003918
3. Ramscar, M. (2002). The role of meaning in inflection: Why the past tense does not require a rule. Cognitive psychology, 45(1), 45-94.
4. Räsänen, S. H., Ambridge, B., & Pine, J. M. (2016). An elicited‐production study of inflectional verb morphology in child Finnish. Cognitive Science, 40(7), 1704-1738. https://doi.org/10.1111/cogs.12305
5. Savičiūtė, E., Ambridge, B., & Pine, J. M. (2018). The roles of word-form frequency and phonological neighbourhood density in the acquisition of Lithuanian noun morphology. Journal of Child Language, 45(3), 641–672. https://doi.org/10.1017/S030500091700037X
6. Van Hout, A. (2008a). Acquiring telicity crosslinguistically: On the acquisition of telicity entailments associated with transitivity. Crosslinguistic perspectives on argument structure: Implications for learnability, 255-278.
7. Van Hout, A. (2008b). Acquiring perfectivity and telicity in Dutch, Italian and Polish. Lingua, 118(11), 1740–1765. https://doi.org/10.1016/j.lingua.2007.08.011
Share this page